Es gibt Väter, die ihre Kinder zum Sport bringen — und es gibt Väter, die selbst noch aktiv Skirennen fahren, wenn ihre Söhne längst Weltmeister sind. Alfred Schweinsteiger gehört zur zweiten Sorte. In Oberaudorf, einem Alpendorf im oberbayerischen Inntal mit knapp 5.000 Einwohnern, hat er ein Leben geführt, das weit mehr als nur die Kulisse
Es gibt Väter, die ihre Kinder zum Sport bringen — und es gibt Väter, die selbst noch aktiv Skirennen fahren, wenn ihre Söhne längst Weltmeister sind. Alfred Schweinsteiger gehört zur zweiten Sorte. In Oberaudorf, einem Alpendorf im oberbayerischen Inntal mit knapp 5.000 Einwohnern, hat er ein Leben geführt, das weit mehr als nur die Kulisse für den Aufstieg seines Sohnes Bastian Schweinsteiger lieferte.
Oberaudorf: Mehr als malerische Bergkulisse
Wer Oberaudorf zum ersten Mal besucht, begreift schnell, dass dieser Ort keine zufällige Adresse ist. Unmittelbar an der Grenze zu Österreich gelegen, mit dem Zahmen Kaiser im Blick und dem Inn zu Füßen, ist Sport hier keine Freizeitbeschäftigung — er ist Lebensprinzip. Skifahren im Winter, Laufen, Wandern, Fußball: Die Infrastruktur einer Kleinstadt trifft auf die natürliche Umgebung einer Sportregion.
Alfred Schweinsteiger ist am 14. November 1953 geboren und wuchs in diesem Umfeld auf. Was er daraus machte, ist bemerkenswert: Er spielte aktiven Fußball, zuletzt nachweislich beim SC Kufstein auf österreichischer Seite der Grenze, wo er als Stürmer bis 1987 aktiv war. Dann vollzog er den Schwenk — nicht ins Sofa, sondern auf die Skipiste. Bis heute ist Alfred Schweinsteiger beim internationalen Skiverband FIS unter dem Code 5201106 als aktiver Athlet in der Masters-Kategorie geführt. Ein Mann, der mit über 70 Jahren noch Rennen fährt, hat Sport nicht als Mittel zum Zweck verstanden, sondern als Kern seiner Identität.
Der Sportladen als Schnittstelle
Lange Jahre betrieb Alfred Schweinsteiger in der Rosenheimer Straße 10 in Oberaudorf sein Sportgeschäft — einen Laden, der in der Region für Ski-Ausrüstung, Fußballtrikots und Sportbekleidung bekannt war. Wer einen Vater sucht, der seinen Söhnen den Sport nähergebracht hat, muss sich das konkret vorstellen: Die Söhne wachsen auf mit einem Vater, der selbst Fußball gespielt hat, der Skirennen fährt und der täglich in einem Laden steht, der nichts anderes verkauft als den Sport.
Das ist eine Erziehungsumgebung, die man nicht bewusst plant. Sie entsteht aus dem Alltag. Heute führt Johann Scheuerer das Sportgeschäft als INTERSPORT-Franchise weiter — der Name “Sport Schweinsteiger” ist geblieben, der Inhaber gewechselt. Das ist eine kleine, aber bezeichnende Fußnote: Der Name hat in Oberaudorf eine eigene Substanz entwickelt, die über die Familie hinausgeht.
Zwei Söhne, ein Förderansatz
Alfred und seine Frau Monika haben zwei Söhne großgezogen, die beide professionell Fußball gespielt haben: Tobias Schweinsteiger, geboren 1982, spielte unter anderem für die SpVgg Unterhaching, Bayern München II und Jahn Regensburg, bevor er seine Karriere als Trainer fortsetzte. Bastian Schweinsteiger, zwei Jahre jünger, geboren 1984, wurde einer der bekanntesten deutschen Fußballer überhaupt: Weltmeister 2014, über ein Jahrzehnt Stammspieler beim FC Bayern München, danach bei Manchester United und Chicago Fire.
Dass beide Söhne aus demselben kleinen Ort und derselben Familie den Weg in den Profifußball fanden, ist statistisch ungewöhnlich. Die naheliegende Erklärung — “der Vater hat sie gefördert” — greift zu kurz. Was Berichte über die Familie Schweinsteiger übereinstimmend beschreiben, ist ein Erziehungsansatz, der auf eigenem sportlichem Vorbild basierte, nicht auf Anweisung vom Seitenrand. Alfred Schweinsteiger lief nicht als Typ auf, der seinen Söhnen taktische Anweisungen brüllte — er lebte ihnen vor, was es bedeutet, Sport als Lebenshaltung zu begreifen.
Der Einfluss des Alpenmilieus
Was in Diskussionen über Alfred Schweinsteiger meist fehlt, ist die geographische Dimension. Kinder aus Oberaudorf wachsen mit einer selbstverständlichen Affinität zu Bewegung auf. Der Schulweg führt an Bergen vorbei, Winterurlaub ist keine Reise, sondern der eigene Garten. Bastian Schweinsteiger hat in Interviews mehrfach erwähnt, wie sehr ihn das Skifahren als Kind prägte — und wie sein Vater ihn an diesen Sport heranführte, bevor der Fußball die Hauptrolle übernahm.
Das ist keine Sentimentalität, sondern eine sportbiografische Realität: Skifahren in jungen Jahren stärkt Koordination, Gleichgewichtssinn und Risikobereitschaft auf eine Weise, die andere Sportarten ergänzt. Bastians Bewegungsqualität auf dem Platz — sein berühmtes Zweikampfverhalten, seine Balance auch unter Druck — lässt sich nicht allein durch Bayern-München-Trainingseinheiten erklären. Der Oberbayer, der Pässe zwischen die Füße nimmt wie andere Leute Schnee wegräumen, hat das alpinische Körpergefühl von irgendwoher.
Diskretion als Lebensprinzip
Was Alfred Schweinsteiger von vielen anderen Vätern prominenter Sportler unterscheidet, ist sein konsequentes Fernbleiben vom Rampenlicht. Es gibt keine Interviews, in denen er seine Erziehungsphilosophie darlegt. Keine Buchveröffentlichung, kein Podcast, keine Sportkommentarspalte. Bei der Hochzeit seines Sohnes Bastian mit der Tennisspielerin Ana Ivanović 2016 in Venedig war er anwesend — Fotos zeigen ihn am Palazzo Cavalli, sichtlich bewegt, aber ohne Statement.
Diese Zurückhaltung ist kein Zufall. Sie passt zum Grundcharakter eines Mannes, der in Oberaudorf ein Sportgeschäft betrieb und Skirennen fuhr — nicht, um gesehen zu werden, sondern weil es das war, was er kannte. Das Gegenteil der Elternfigur, die sich beim Schulkonzert des Kindes stärker in Szene setzt als das Kind selbst.
Ein Modell jenseits der Klischees
Die Erzählung vom “unterstützenden Vater im Hintergrund” ist im Sport so häufig, dass sie zur Floskel verkommen ist. Bei Alfred Schweinsteiger trägt sie deshalb mehr Substanz, weil er kein ehemaliger Profisportler ist, der seinen Söhnen eine Karriere ermöglichte, die er selbst nicht vollendete. Er war Amateur-Fußballer, ist Amateur-Skifahrer — und hat trotzdem zwei Söhne in den Profifußball entlassen. Das widerspricht der Logik, nach der Spitzensport vor allem dann reproduziert wird, wenn die Eltern selbst Profi-Erfahrung haben.
Was Alfred verkörperte, war etwas anderes: die Überzeugung, dass Sport keine Karrierestrategie ist, sondern ein Wert an sich. Diese Einstellung ist schwerer zu vermitteln als taktisches Wissen oder körperliche Trainingsreize. Sie entsteht, wenn ein Kind sieht, dass der Vater mit 71 Jahren noch immer Skirennen fährt — nicht weil er muss, sondern weil er es will.
FAQ: Häufige Fragen zu Alfred Schweinsteiger
Wer ist Alfred Schweinsteiger? Alfred Schweinsteiger ist ein ehemaliger Fußballer und aktiver Ski-Masters-Athlet aus Oberaudorf in Oberbayern. Er ist der Vater der Fußballprofis Bastian und Tobias Schweinsteiger und war langjähriger Inhaber eines Sportgeschäfts in der Region.
Wann wurde Alfred Schweinsteiger geboren? Alfred Schweinsteiger wurde am 14. November 1953 geboren und ist damit heute 71 Jahre alt.
Welchen Sport hat Alfred Schweinsteiger selbst betrieben? Alfred war Fußballspieler und spielte in der Sturm-Position, zuletzt beim SC Kufstein in Österreich bis 1987. Danach wechselte er zum alpinen Skifahren und ist bis heute beim internationalen Skiverband FIS in der Masters-Kategorie als aktiver Athlet geführt.
Was ist “Sport Schweinsteiger” in Oberaudorf? Das Sportgeschäft in der Rosenheimer Straße 10 in Oberaudorf wurde ursprünglich von Alfred Schweinsteiger geführt. Heute wird es von Inhaber Johann Scheuerer als INTERSPORT-Franchise weitergeführt, der Name “Sport Schweinsteiger” ist aber erhalten geblieben.
Wie hat Alfred Schweinsteiger Bastians Karriere beeinflusst? Bastian Schweinsteiger hat in Interviews betont, wie prägend sein Elternhaus war — besonders die sportliche Lebensweise des Vaters, der ihm früh das Skifahren beibrachte. Der Einfluss war weniger direktiver Natur als vorbildhaft: Alfred lebte das vor, was er weitergeben wollte.
Fazit
Alfred Schweinsteiger ist kein Randphänomen der Schweinsteiger-Erfolgsgeschichte, sondern ihr Fundament. Was ihn von ähnlichen Vaterfiguren unterscheidet, ist der Umstand, dass er keine Karriere verkörpert, die er seinen Söhnen mitgab — sondern eine Haltung. Wer mit über 70 noch Skirennen fährt und nie ein Interview darüber gegeben hat, hat wenig zu beweisen. Das ist vielleicht die ehrlichste Form von Sporterziehung.
Aktuelle Blogbeiträge: Tülin Keller







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